Checkliste: Fragen zum Kaiserschnitt
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Checkliste: Fragen zum Kaiserschnitt an deinen Arzt

In Deutschland sowie Österreich werden etwa ein Drittel der Babys durch einen Kaiserschnitt geboren. Die Gründe dafür sind ganz unterschiedlich – geplant wie ungeplant. Auch wenn eine Geburt in jedem Fall ein ganz besonderes Ereignis ist, unterscheidet sich ein Kaiserschnitt von einer natürlichen Geburt. Wir haben eine praktische Checkliste mit Fragen zum Kaiserschnitt für deine Besprechnung mit dem Arzt.

Fragen zum Kaiserschnitt: Wie läuft die OP?

Zunächst meldest du dich für eine Geburtsklinik an und vereinbarst einen Termin mit deinem Frauenarzt für den Kaiserschnitt. Dieser orientiert sich am errechneten Geburtstermin (ET). Ein Kaiserschnitt wird meist sieben bis zehn Tage vor dem ET durchgeführt. Der Arzt kann dabei auch auf deine Wünsche eingehen – wenn dieser nicht zu weit vom ET entfernt ist.

In der Woche vor der Operation findet ein Aufklärungs- und Untersuchungstermin bei deinem Arzt oder in der Klinik statt. Am festgelegten Termin findest du dich in der Klinik bzw. im Kreißsaal ein, wo die letzten Vorbereitungen getroffen werden und du die OP-Einwilligung unterschreibst. Beachte, dass du für die OP nüchtern sein musst und deinen Schmuck (Ohrringe, Ketten etc.) abgelegt hast. Zu den Vorbereitungen gehören außerdem:

  • Vaginale Untersuchung und Ultraschall sowie Blutabnahme
  • Rasur der Schamhaare oberhalb des Schambeins
  • Eventuell: Infusion zur Stabilisierung deines Kreislaufs
  • Eventuell: Anlegen von Kompressionsstrümpfen zur Vermeidung von Thrombose
  • Kontrolle des Babys über CTG

Nachdem der OP-Kittel angezogen ist und letzte Fragen besprochen wurden, geht es in den Operationsaal. Dort wirst du noch an verschiedene Geräte angeschlossen, um deinen Puls bzw. Blutdruck zu überwachen.

Nach einem Gespräch mit der Anästhesistin und dem Kreuzstich zur Betäubung (in seltenen Fällen ist eine Vollnarkose notwendig) wird ein Blasen-Katheter gelegt. So ist deine Harnblase leer und kann während der OP nicht verletzt werden. Nachdem der Bauch desinfiziert und der Katheter gelegt ist, wird dein Partner dazugeholt. Du wirst mit sterilen Tüchern abgedeckt und kannst bei der Operation deinen Bauch nicht sehen.

Was ist ein Kreuzstich?
Bei einer Regional-Anästhesie wird nur ein Teil deines Körpers betäubt und unempfindlich für Schmerzen. Nur bei einem Not-Kaiserschnitt oder wenn ein Kreuzstich nicht möglich ist, bekommst du eine Vollnarkose. Im Operationssaal erhältst du den Kreuzstich – eine Injektion zwischen zwei Wirbeln der Wirbelsäule. Keine Angst, das klingt schlimmer, als es ist – der Stich kann unangenehm sein, tut aber nicht weh. Dann testet die Ärztin meist mit Eis, ob der Kreuzstich wirkt.

Nicht wundern: Es kann im OP ganz schön voll werden!
Bei einem Kaiserschnitt wird es im Operationssaal ganz schön eng. Zur Entbindungscrew gehören dein Arzt bzw. deine Ärztin, ein bis zwei Assistenten, eine Anästhesistin mit einem Pfleger oder einer Schwester und natürlich die Hebamme. Das kann deine Wahlhebamme oder eine Hebamme der Geburtsklinik sein. In manchen Fällen ist auch ein Kinderarzt anwesend.

Die Ärztin oder der Arzt macht beim Kaiserschnitt einen ca. 15 Zentimeter langen Schnitt quer zum Bauch, so dass man die Narbe später möglichst nicht sieht. Nur in sehr seltenen Fällen muss ein Längsschnitt zum Nabel gemacht werden. Du fühlst dabei keine Schmerzen, vielleicht einen leichten Druck oder ein Ziehen. Das Baby wird fünf bis zehn Minuten nach dem Hautschnitt geboren und direkt von der Hebamme mit einem warmen Tuch übernommen.

Eine Kinderärztin oder die Hebamme untersucht das Baby und schaut, ob es ihm gut geht. Dann löst der Arzt die Plazenta von der Gebärmutter-Wand ab und dehnt deinen Muttermund, damit der Wochenfluss abfließen kann. Gebärmutter und alle weiteren Schichten bis zur Haut werden vernäht und die Haut wird mit einem Faden oder mit Klammern verschlossen. Insgesamt dauert ein Kaiserschnitt nur 20 bis 35 Minuten.

In den meisten Krankenhäusern kannst du schon im Operationssaal oder im Aufwachraum mit deinem Baby kuscheln und das Baby stillen. Die meisten Geburtskliniken tun alles dafür, um die Mutter-Kind-Bindung (Bonding) zu fördern. Solltest du dafür zu schwach sein, wird dein Partner das Baby übernehmen.

Nach der OP bleibst du zur Überwachung im Kreißsaal bzw. Aufwachzimmer. Dort kontrollieren eine Hebamme oder Schwester deinen Blutdruck und Puls sowie dein Schmerzempfinden, die Größe der Gebärmutter und die Menge deiner Blutung bzw. Harnausscheidung. Solltest du noch Schmerzen haben, werden über den PDA-Katheter Betäubungsmittel nachgespritzt.

Dann geht es für dich und dein Neugeborenes auf die Wochenbettstation. Nach durchschnittlich fünf bis schs Tagen gehen die meisten Frauen bei einem Kaiserschnitt nach Hause.

Welche Gründe für einen Kaiserschnitt gibt es?

Geplanter Kaiserschnitt (primärer Kaiserschnitt)

Vaginale Geburten können unter bestimmten Gründen ein großes Risiko für die Mutter und das Baby bedeuten. In den folgenden Fällen sollte/muss ein geplanter Kaiserschnitt durchgeführt werden:

  • Mutterkuchen vor oder nahe dem inneren Muttermund (Plazenta praevia)
  • Baby liegt in einer gebärunfähigen Lage (z.B. Querlage)
  • Infektion von Eihäuten, Plazenta, Baby, HIV oder Herpes-genitalis-Infektion
  • Zwillings- bzw. Mehrlingsgeburten
  • Fehlbildungen des Babys
  • Extreme Frühgeburten
  • Erkrankungen der Mutter (z.B. Herzerkrankungen, HELLP-Syndrom)
  • Frühere Operationen der Mutter, wo ein größerer Schnitt durch die Gebärmutterwand erfolgt ist

Ungeplanter Kaiserschnitt (sekundärer Kaiserschnitt)

Manchmal wird ein Kaiserschnitt notwendig, weil es bei der Geburt zu Problemen kommt. Hauptursachen für den sekundären Kaiserschnitt sind:

  • Starke Blutungen durch eine vorzeitige Ablösung der Plazenta oder Riss der Gebärmutterwand
  • Sauerstoffunterversorgung des Kindes
  • Verzögerter Geburtsverlauf oder Geburtsstillstand
  • Köpfchen des Babys ist zu groß für das mütterliche Becken
  • Nabelschnurvorfall
  • Infektion des Kindes, der Plazenta, Eihöle und Eihäute
  • Einstellung des Köpfchens (z.B. Gesichtslage) macht eine natürliche Geburt unmöglich

Wunschkaiserschnitt

Als Wunschkaierschnitt bezeichnet man eine Schnittentbindung, die ohne medizinischen Gründe auf Wunsch der Frau durchgeführt wird. Viele Frauen, die ihr erstes Kind bekommen, wünschen sich einen Kaiserschnitt, weil sie Angst vor den Geburtsschmerzen haben und die Planbarkeit zu schätzen wissen. Aber auch Schwangere, die bereits eine traumatische Geburt erlebt haben, wollen beim zweiten Mal auf “Nummer sicher” gehen. Weitere Gründe für einen Wunschkaiserschnitt können sein:

  • Angst vor Beckenbodenschäden, Inkontinenz sowie Dammverletzungen
  • Vorangehende sexuelle Traumatisierung(en)
  • Angst vor Schädigungen des Kindes

Mom Shaming”: Tabuthema Wunschkaiserschnitt
Ich bin überzeugt, dass jeder für sich selbst entscheiden muss, wenn es um das ganz persönliche Thema Geburt geht. Keiner hat das Recht dir einen Wunschkaiserschnitt zu verbieten oder dich deshalb als schlechte Mutter darzustellen. Selbstbestimmung wird oft thematisiert, wenn es um das Thema Geburt geht. Nur hört diese oft auf, wenn eine Frau einen Kaiserschnitt möchte. Es ist und bleibt deine Entscheidung und einzig und allein deine Sache – egal, ob es die Angst vor Geburtsverletzungen, eine vorangehende sexuelle Traumatisierung oder traumatische Geburt ist. Eine schwangere Frau voller Verunsicherung zu einer vaginalen Geburt zu zwingen ist in meinen Augen falsch.

Checkliste: Fragen zum Kaiserschnitt

Wenn du nach reiflicher Überlegung gestärkt in deinem Wunschkaiserschnitt bist oder ein geplanter Kaiserschnitt aufgrund medizinischer Gründe vorliegt, solltest du dich unbedingt über das Thema informieren. Denn der Kaiserschnitt ist und bleibt eine große Bauchoperation. Wir haben dir die wichtigsten Fragen zum Kaiserschnitt für deinen Arzt bzw. deine Hebamme zusammengefasst:

Vor dem Kaiserschnitt

  • Wie kann ich meinen Körper auf die Operation vorbereiten?
  • Wie erfolgt die Anmeldung in der Geburtsklinik?
  • Gibt es verschiedene Zimmer zur Auswahl (z.B. Familienzimmer)?
  • Wann wissen wir den Termin?
  • Wann müssen wir vor der OP ins Spital?
  • Wie ist der Arzt im Notfall erreichbar, wenn es vor dem Termin zu Komplikationen, Wehen oder Blutungen kommt?
  • Wer übernimmt die Operation, wenn der Arzt krankheitsbedingt ausfällt?
  • Gibt es noch weitere Untersuchungen oder Gespräche vor dem Kaiserschnitt?

Der Kaiserschnitt

  • Vorbereitung auf die OP: Was müssen wir beachten (z.B. Schmuck ablegen, Kontaktlinsen rausnehmen, nüchtern sein etc.)?
  • Wie viele Personen werden im Operationssaal sein?
  • Welche Betäubung bekomme ich und wie läuft sie ab?
  • Was passiert beim Kaiserschnitt und wie lange dauert er?
  • Wie ist die Rolle meiner Begleitperson? Kann er/sie direkt nach dem Kaiserschnitt Bindung mit dem Baby aufnehmen, wenn ich Schmerzen habe?
  • Bekomme ich das Baby direkt nach der Geburt?
  • Erste Untersuchung des Babys nach dem Kaiserschnitt: Wie läuft es ab?
  • Welche Probleme können beim Kind auftreten?

Nach dem Kaiserschnitt

  • Welche Beschwerden treten bei der Mutter nach dem Kaiserschnitt häufig auf?
  • Wie werden die Schmerzen nach der OP gelindert?
  • Wie läuft die Körperpflege (Duschen, Toilette etc.)?
  • Wie lange werden die Schmerzen anhalten und wo treten sie auf?
  • Wie ist der Wochenfluss nach dem Kaiserschnitt?
  • Wie erfolgt die weitere Betreuung im Wochenbett in der Klinik?
  • Was kann ich tun, um die Heilung der Kaiserschnittnarbe zu fördern (z.B. Pflaster aus Silikon, spezielle Stütz-Hosen)?

Checkliste “Fragen zum Kaiserschnitt” downloaden

Damit du dich gemeinsam mit deinem Partner auf die Operation in Ruhe vorbereiten kannst, kannst du dir unsere praktische Checkliste “Fragen zum Kaiserschnitt” downloaden, ausdrucken und zu deinem Vorbereitungsgespräch mit deinem Frauenarzt mitnehmen.

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