Geburt im Goldenen Kreuz: Ein persönlicher Erfahrungsbericht
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Geburt im Goldenen Kreuz: Ein persönlicher Erfahrungsbericht

Im Mai 2021 habe ich meinen kleinen Entdecker per Kaiserschnitt im Goldenen Kreuz im neunten Wiener Gemeindebezirk entbunden. Wie ich die Geburt im Goldenen Kreuz erlebt habe, verrate ich in meinem persönlichen Erfahrungsbericht.

Geburt im Goldenen Kreuz: Ein emotionales Erlebnis

Eine Geburt – egal, ob eine natürliche Entbindung oder per Kaiserschnitt – ist für alle werdende Eltern ein emotionales Erlebnis. Insbesondere die frisch gebackenen Mamas durchlebt oft eine wahre Achterbahnfahrt der Gefühle. Auch ich hatte mich Monate im Vorfeld mit der Geburt meines kleinen Wunders beschäftigt und – zumindest in Gedanken – einen groben Geburtsplan erstellt. Da ein geplanter Kaiserschnitt auf dem Programm stand, konnte ich mich durch meinen Frauenarzt sowie meine Wahlhebamme auf die Operation und den genauen Ablauf gut vorbereiten.

Bei der Wahl des für mich optimalen Geburtsorts kamen für mich in Wien drei Geburtskliniken in Frage. Das (öffentliche) Franz-Josefs-Spital, welches österreichweit einen sehr guten Ruf in Sachen Geburtshilfe genießt sowie die beiden Privatspitäler Goldenes Kreuz sowie Privatklinik Döbling. Nach Rücksprache mit meiner Frauenärztin sowie meiner Wahlhebamme entschied ich mich für das Goldene Kreuz. Die folgenden Gründe sprechen für mich bis heute für eine Geburt im Goldenen Kreuz:

  • Ausgezeichnete medizinische Betreuung in Sachen Geburtshilfe
  • Direkte Anbindung ans AKH bei Notfällen, insbesondere Neonatologie
  • Aufenthalt in einem Familienzimmer
  • Sehr gute Lage und nur zehn Minuten von uns zu Hause entfernt

Mein Tipp: Informiert euch (wenn möglich noch vor eurer Schwangerschaft) über die Möglichkeiten einer privaten Krankenversicherung für dich und dein Baby. Ohne Zusatzversicherung kann der Aufenthalt in einer Privatklinik sehr teuer werden.

Die Pros: Geburt im Goldenen Kreuz

Ausgezeichnete medizinische Betreuung vor Ort

Keine Frage: Wenn es um die Gesundheit von Mutter und Kind geht, ist für die meisten nur das Beste gut genug. Und die medizinische Betreuung im Goldenen Kreuz ist wirklich top. Egal, ob behandelnde Ärzte, (Kinder-)Krankenschwestern oder Hebammen, ich hatte immer das Gefühl in sehr guten Händen zu sein. Ein schneller Knopfdruck auf die Fernbedienung und schon stand eine (Kinder-)Krankenschwester oder das Servicepersonal im Zimmer, um mir, meinem Kleinen oder meinem Partner zu helfen.

Da ich nach meinem Kaiserschnitt vier Nächte im Goldenen Kreuz verbrachte, konnten wir vor Ort auch die erste Mutter-Kind-Pass-Untersuchung meines Kleinen sowie den Hüftultraschall und den Hörtest erledigen. Das ist gerade für eine Mama mit großen Schmerzen nach der schwerwiegenden Operation eine große Hilfe.

Auch das Gespräch mit einer Physiotherapeutin direkt nach der Geburt empfand ich als sehr positiv. So konnte ich bereits mit der ersten Rückbildungsgymnastik starten und hatte schon für das Wochenbett ein paar Ideen, um meinen Bauch sowie meinen Beckenboden ein wenig in Schwung zu bringen. Zusätzlich konnte ich mir von einer Physiotherapeutin auch meine wunden Brustwarzen lasern lassen und meinen Schmerzen so ein wenig Abhilfe verschaffen.

Direkte Verbindung zum AKH

Die direkte Verbindung des Goldenen Kreuz zum AKH ist für mich ein weiterer Punkt, warum sich viele werdende Eltern für eine Entbindung in diesem Privatspital entscheiden. Bei Notfällen – bei Mama und Kind – gibt es einen unterirdischen Gang, der beide direkt in die Uniklinik bringt. So werden Mutter und Baby gemeinsam aufgenommen und müssen nicht voneinander getrennt werden. Das AKH zählt nicht umsonst zu den besten Spitälern in ganz Europa und hat auch einen ausgezeichneten Ruf bei neonatologischen Behandlungen bzw. Operationen.

Das Familienzimmer für Mutter, Vater und Kind

Auch wenn Familienzimmer in Geburtskliniken immer mehr zum Standard werden, gibt es immer noch viele Spitäler, wo diese Räumlichkeiten leider nicht zur Verfügung stehen. Ich möchte die Erfahrung eines Familienzimmers jedenfalls um keinen Preis missen. So hat die ganze Familie Zeit sich kennen zu lernen und ein wenig zur Ruhe zu kommen. Und für eine Mutter mit Kaiserschnitt bietet das Familienzimmer den großen Vorteil, dass der Papa eine immense Unterstützung in den ersten Tagen mit dem Baby sein kann. So konnte ich in den ersten drei Tagen nach der Operation kaum aufstehen und hätte alleine auf mich gestellt sehr große Probleme mit dem Wickeln und der Pflege meines kleinen Entdeckers gehabt.

Sectio-Bonding: Familie erleben direkt nach dem Kaiserschnitt

Eine meiner größten Sorgen vor der Geburt im Goldenen Kreuz: Nach der Entbindung kommt das Baby zum Waschen, zum Kinderarzt, zur Untersuchung, zum Wiegen und sonst wohin. Und so hegte ich lange die Befürchtung, dass wir keine Zeit zum Kuscheln und Bonding bekommen werden. Zu meiner großen Erleichterung erfüllte sich diese Sorge nicht: Direkt nach der Entbindung wurde mein Kleiner in ein Tuch gewickelt, der Kinderarzt machte eine schnelle Untersuchung und schon nach wenigen Sekunden landete der Frischling auf meiner Brust. Mama, Papa und Baby waren nach dem Kaiserschnitt direkt vereint und wir konnten schon in den ersten Lebensminuten in Ruhe Kuscheln. Diese ersten 15 bis 20 Minuten sind mir bis heute im Gedächtnis und ich erinnere mich gerne an diese aufregende Zeit zurück.  

Verpflegung und Service: Aufmerksam und freundlich

Auch dem Servicepersonal muss ich ein großes Lob aussprechen. Alle Damen und Herren, die uns verpflegt oder das Zimmer sauber gemacht haben, waren aufmerksam, freundlich und immer um unser Wohl bemüht. Und für wen es eine große Rolle spielt: Auch das Essen ist sehr gut und kann individuell auf die Bedürfnisse von Mama und Papa abgestimmt werden. Gerade in den ersten Tagen nach der Geburt ist die Verdauung der frisch gebackenen Mutter etwas träge. Daher konnte ich mit einer Ernährungsberaterin kurz vor der Entbindung die Verpflegung im Krankenhaus in Ruhe besprechen und eine entsprechende Diät vereinbaren.

Fotoshooting mit „Endlich da“-Neugeborenen-Fotografie

In Privatspitälern genießt die Familie auch kleinen Luxus, der in einem öffentlichen Krankenhaus aufgrund der täglichen Abläufe so nicht möglich ist. Einer davon ist die Möglichkeit eines Baby-Fotoshootings direkt in der Klinik – schon wenige Tage nach der Geburt. Maria und Katarina von „Endlich da“ sind zwei sehr liebe und erfahrene Fotografinnen mit viel Erfahrung im Bereich der Neugeborenen-Fotografie. Die Fotos meines 3-Tage-alten kleinen Wunders möchte ich nicht missen. Sie sind für uns eine wunderbare Erinnerung an diese aufregenden ersten Tage mit Baby geworden.

Meine Kritikpunkte bei meiner Geburt im Goldenen Kreuz

Mangelnde Stillberatung

Leider ein großer Minuspunkt bei der Geburt meines Sohnes im Goldenen Kreuz: Die fehlende Stillberatung. Als Erstlingsmama hatte ich im Stillen praktisch keine Erfahrung. Und aus Büchern kann frau Stillen nicht lernen – das wurde mir schon am zweiten Tag nach der Entbindung schmerzhaft bewusst. Mein kleines Wunder hing an meinem Busen, um so richtig den Milcheinschuss in Gang zu kriegen. Und das gelang ihm vortrefflich – doch damit verbunden waren auch wunde und offene Brustwarzen. Während sich in meiner linken Brust eine Entzündung bildete, wurde meine rechte in noch größere Mitleidenschaft gezogen. Und obwohl ich mehrmals pro Tag bei den Krankenschwestern über Schmerzen in den Brüsten und Brustwarzen klagte, wurde mir erst am vierten Tag – und das auch eher per Zufall – geholfen. Bis zu diesem Zeitpunkt hörte ich Aussagen wie „Ja, das ist normal. Über den Berg müssen sie drüber. Die Kleinen sind wie Piranhas.“ Doch niemand untersuchte eingehend meine Brüste und so konnte ich meine Entzündung und die offenen Wunden noch weitere drei Tage verschleppen. Dazwischen hatte ich neben großen Schmerzen auch noch das Vergnügen die Muttermilch abzupumpen und per Flasche zuzufüttern. Denn schon der Gedanke an das Stillen meines Babys und das damit verbundene Saugen an der Brustwarze verursachte einen Heulkrampf.

Erst zu Hause mit Hilfe von Antibiotika und der ausgezeichneten Unterstützung meiner eigenen Hebamme bekam ich die Probleme in Griff. Aus meiner Stillgruppe weiß ich mittlerweile, dass das Thema Stillen für fast alle frisch gebackenen Mamas ein Problem darstellt und die Stillberatung in den Kliniken – öffentlich und privat – mangelhaft ist. Eine weitere Hürde: Nicht alle Geburtskliniken haben eine professionelle Stillberatung und so kommt es nicht selten vor, dass sich das Personal vor Ort widerspricht oder nur auf persönliche Stillerfahrungen zurückgreifen kann.

Warum eine ausführliche und praktische Stillberatung in jedem Krankenhaus in Österreich nicht zum Standard gehört, verstehe ich bis heute nicht. So ist es für mich auch wenig verwunderlich, dass viele Frauen das Stillen schon nach kurzer Zeit aufgeben, wenn ihre Probleme nicht gelöst werden und sie nur unter starken Schmerzen das Kind anlegen können. Meiner Ansicht nach gehört die Stillberatung als eigene Untersuchung in den Mutter-Kind-Pass. Das könnte auch der eher mäßigen Stillquote in Österreich auf die Sprünge helfen.

Daher mein Tipp: Fragt schon am Tag der Geburt ganz bewusst nach einer Stillberaterin oder einer Hebamme mit Stillerfahrung. Probiert gemeinsam ein paar Stillpositionen aus, untersucht die Saugtechnik eures Babys und geht möglichen Stillproblemen gleich auf den Grund. Lasst euch nicht mit Aussagen wie „Da müssen Sie durch!“ oder „Schmerzen sind normal!“ abspeisen. Denn Schmerzen sind immer ein Warnsignal des Körpers und müssen ernst genommen werden – auch beim Stillen!

Zu wenig Ruhe für frisch gebackene Eltern

Ich persönlich hätte mir in der Klinik etwas mehr Ruhe für mich und meine Familie gewünscht. So hatte ich das Gefühl, dass wir nie allein im Zimmer waren und ständig jemand an meiner Bettkante stand: Blutabnahme, Fieber messen, Physiotherapie, Servicepersonal, Verpflegungspersonal, Kontrolle durch Arzt, Krankenschwester und Kinderkrankenschwester usw.  Gerade in den ersten Stunden will die frisch gebackene Familie nur seine Ruhe haben – an Schlaf ist sowieso nicht wirklich zu denken. Und viele dieser Besuche empfand ich als unnötig bzw. störend.

Mein Tipp: Nutzt das „Bitte nicht stören“-Schild und hängt es unbedingt vor die Türe. Wir haben erst am dritten Tag davon erfahren und hätten uns bis dahin einige Besucher ersparen können.

Einrichtung im Familienbett: Holzpritsche statt gemütlicher Schlafcouch

Eine kleine Warnung für die begleitenden Papas bzw. Partner: Das Zusatzbett im Familienzimmer ist eine klapprige alte Kiste und hat meinem Mann einen stark schmerzenden Rücken beschert. Schon nach der ersten Nacht war das Schlafen für ihn eine Tortur. Von Komfort kann überhaupt keine Rede sein. Da der Partner seinen Aufenthalt im Familienzimmer voll bezahlt, muss ich einen gewissen Standard erwarten können – und dazu gehört vor allem ein bequemes Bett. Für eine Privatklinik ist das ein großer Minuspunkt.

Auch der Wickelplatz sowie der Stuhl zum Stillen sollten mal wieder erneuert werden. Auch hier hatte ich mir im Vorfeld eine schönere und v.a. moderne Einrichtung erwartet. Das entspricht für mich nicht mehr dem heutigen Standard.

Geburt im Goldenen Kreuz: Kein Einfühlungsvermögen

Das Nervenkostüm einer frisch gebackenen Mama ist – gelinde gesagt – eher dünn. In manchen Situationen hätte ich mir mehr Einfühlungsvermögen gewünscht bzw. erwartet. Natürlich ist für das Personal vor Ort eine Geburt kein bahnbrechendes Ereignis (mehr) – für die ist das „business as usual“. Dennoch müssen sich gerade Privatkliniken die Kritik gefallen lassen, wenn sie eben nicht die Extrameile für die Patientinnen gehen. Gerade bei den behandelnden Ärzten sowie Krankenschwestern hat mir manchmal ein wenig das Feingefühl gefehlt. Zwei Beispiele sollen das kurz untermauern:

  • Leider reagierte ich allergisch auf die wunderschöne Netz-Unterhose. Und das sorgte bei mir für einen roten juckenden Ausschlag vom unteren Rücken bis über den Po. Aussage der Krankenschwester: „Ja, das passiert öfter. Bepanthen drauf und gut ist“. Wenn das öfter passiert, warum bitte wechselt man dann nicht auf ein anderes Produkt?
  • Auch der Hörtest bei meinem Kleinen verlief etwas unglücklich. Mein kleiner Entdecker lag unruhig und quengelig in den Armen meines Mannes. Daraufhin der behandelnde Arzt: „So kann ich keinen Hörtest machen. Machen Sie, das er aufhört“. Rückblickend betrachtet hätte ich ihm heute eine ordentliche Standpredigt gehalten. Doch drei Tage nach der Geburt mit einem kleinen Frischling im Arm fehlt es etwas an der nötigen Konsequenz. Sowas darf erfahrenen Ärzten in keiner Geburtsklinik der Welt über die Lippen kommen.

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